Studienreise zu klima- und biodiversitätsintegrierter Forstwirtschaft in Hessen
Ende Juni führte eine vom Landesbetrieb HessenForst mit der IAK Agrar Consulting GmbH im Rahmen des Agrarpolitischen Dialogs Deutschland – Südosteuropa (APD SEE) organisierte Fachinformationsfahrt in die Wälder Hessens. Das Bundesland ist zu 43% mit Wald bedeckt und liegt damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Mehr als ein Drittel der Waldfläche ist Buchenfläche – eine auch im Westbalkan häufig genutzte Baumart.
Den Auftakt bildete der Besuch beim Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat, um die Umsetzung relevanter EU-Politiken in hessische Landespolitik zu erörtern. Einzelne Bundesländer sind in ihren Zuständigkeiten und Strukturen oft besser mit den Partnerländern des Westbalkans vergleichbar als die Bundesrepublik Deutschland als Ganzes. Eine Vertreterin des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) erläuterte darüber hinaus, wie EU-Rechtsvorschriften in nationales Recht übertragen werden, und veranschaulichte dies am Beispiel des Waldüberwachungs- und des Naturwiederherstellungsgesetzes.
Der Landesbetrieb HessenForst präsentierte seine umfassende Arbeit zur Integration von Biodiversität, Klimawandel und sozialen Bedürfnissen in die Forstwirtschaft und Waldplanung. Um einen praktischen Eindruck von der Umsetzung zu gewinnen, wurden im Laufe der Woche zwei Forstämter ausführlich besucht:
- Das Forstamt Burgwald steht als „Forstlicher Modellbetrieb Klimaschutz plus“ ganz im Zeichen des Klimaschutzes. Neben Projekten zur Renaturierung von Mooren wird die Widerstandsfähigkeit verschiedener Waldtypen untersucht.
- Das Forstamt Hofbieber wiederum widmet sich der Waldbewirtschaftung mit Fokus auf Biodiversität. Hier bilden ausgewählte Habitatbäume mit Waldrändern und Fließgewässern Wanderungskorridore für verschiedenste Arten. Ebenso werden Alt- und Totholz erhalten, um ihre Wirkung im Ökosystem Wald zu erforschen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem systematischen Wasserrückhalt im Wald, der mit dem Erhalt und der Renaturierung von Feuchtwiesen und Teichen einhergeht.
Auch die Forschung für die Zukunft des Waldes war Bestandteil des Reiseprogramms: An der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) werden Kompetenzen mehrerer Bundesländer gebündelt. Gemeinsam wird an unterschiedlichsten Aspekten geforscht, um die daraus gewonnenen Erkenntnisse anschließend in die Praxis zu übertragen. Vorgestellt wurden u.a. das eigens entwickelte Entscheidungshilfesystem für die Auswahl von Baumarten unter dem Aspekt des voranschreitenden Klimawandels, das als App benutzerfreundlich zur Verfügung steht. Auch die Forschung zur Kohlenstoffdynamik in natürlichen Wäldern liefert Erkenntnisse für die Praxis. Auf einer Praxisfläche wurde der Erhalt von genetischen Ressourcen ex situ demonstriert. Vor allem im Bereich forstgenetischer Ressourcen besteht Interesse an einem weiteren Austausch mit den Institutionen des Westbalkan, in dem derzeit ein Klima herrscht, das die Zukunft in Deutschland sein könnte. Überdies kann die NW-FVA Vorbildcharakter für die Bündelung des Wissens in einer gemeinsamen Forschungs- und Beratungsstelle für den Wald haben.